Bertas Grab und der tote Reiter Etwa 1000m nördlich vom Heidegasthof „Wachtmeister“ liegt an
der Bundesstraße B2 zwischen Bad Düben und Kemberg, dort wo links der Ankerweg
nach Schköna abzweigt, ein von einem niedrigen Zaun umgebener und mit einer Tafel
geschmückter Grabhügel, Bertas Grab. Wandert man 10 Minuten weiter nach Westen
auf dem Ankerweg, so finden wir ein anderes Heidegrab, der tote Reiter oder
auch Reitergrab genannt. Der Grabhügel ist mit Feldsteinen bedeckt. Um diese
beiden Gräber, die in ursächlichem Zusammenhang stehen, hat sich ein ganzer
Sagenkranz gebildet. Nach einer 1848 im „Dübener Wochenblatt“ erfolgten
Darstellung war der Sachverhalt etwa so: Als während des Dreißigjährigen
Krieges das schwedische Heer von Kemberg aus durch die Dübener Heide zog,
brachte eine Bauernmaid ihre sterbenskranke Mutter vor den herannahenden
Schweden in eine verfallene Waldhütte in Sicherheit. Tage darauf fiel sie bei
der Suche nach Wasser aber einem schwedischen Reiter in die Hände, der ihr
tödliche Schwerthiebe versetzte und ihr Ring und Spangen raubte. Weil das
Mädchen nicht zurückkehrte, begab sich ihr Verlobter auf die Suche. Als er sie
endlich fand. Konnte sie ihm nur noch mit Mühe den Vorgang berichten. Der Bräutigam rief Gott zum Rächer an, konnte aber bald die
Rache selbst vollziehen. Als er zur Hütte zurückkehrte, fand er Bertas Mutter
tot vor. Nicht weit davon aber auch ein gestürztes Ross und darunter einen
Reiter mit gebrochenem Arm. Dieser bat den jungen Bauernburschen, ihm zu
helfen, und bot ihm einen Ring zum Lohne, wenn er ihn zum schwedischen Tross
bringen würde. An diesem Ring aber erkannte der Bursche den Mörder seiner Braut
und rächte die Gräueltat mit einer Axt. An der Stelle jedoch, wo sie gestorben
waren, wurden Berta und der Reiter begraben. Es ist ein alter Brauch. Bertas Grab durch auflegen grünen
Reises zu schmücken und auf das Grab des Mörders einen Stein zu werfen. So
vergrößerte sich der Feldsteinhügel auf dem „toten Reiter“ ständig. Zwei geschnitzte Tafeln kennzeichnen heute
diese nicht weit von
einander liegende Heidegräber mit den Inschriften:
B e r t a g r a b Berta aus Gommlo Ermordet am 5.9.1637 Schmückt das Grab dieser Unschuldigen!
und
R e i t e r g r a b Bertas Mörder fand den Tod am 5.9. 1637 werft
einen Stein auf den Mörder! Als historische Bestandteile der Dübener Heide sind diese
beiden Grabstätten der Pflege und dem Schutz aller Wanderer- und Heimatfreunden
anempfohlen.
Sagenumwobene Gräber
Das Jungferngrab und der Totschlag
Sowohl Schmiedeberg als auch Düben waren 1637 von dem schwedischen Heer eingeäschert worden. Kleine marodierende Truppenteile durchstreiften die Heide, um in den Dörfern und einzelnen Gehöften zu sengen, zu rauben und zu plündern. Ein solcher schwedischer Landsknechtstrupp hatte etwa 4km südwestlich von Schmiedeberg am Tannenberg in einem versteckt liegenden Tal sein Lager aufgeschlagen. Das war von Dübener Bürgern erkundet wurden, und gern wollten sie an den Mordbrennern Rache üben. Aber die Zahl der wagemutigen Männer in Düben war durch die Kriegswirren nicht mehr groß genug, um einen sicheren Erfolg zu verbürgen, deshalb sollte ein Bote auch den Schmiedebergern Nachricht bringen und sie zur Teilnahme auffordern.
Ein Mädchen aus Düben, dem die Schweden Vater und Mutter erschlagen haben, erbot sich dazu freiwillig. Auf versteckten Wegen erreichte es auch sein Ziel. Am Abend schlichen die Schmiedeberger unauffällig in den Wald und strebten auf verschiedenen Wegen dem vereinbarten Sammelplatz zu.
Das Mädchen aber eilte nach Düben zurück. Auf dem Heimwege wurde es von streifenden Schweden ergriffen, in das Lager geschleppt, vergewaltigt und in der Nähe des Lagers getötet.
In der Nacht wurde das Lager der Schweden dicht umstellt. Im Morgengrauen fielen die Bürger über die schlafenden her und nicht einer sah die Sonne wieder scheinen. Die Leichen wurden im Walde verscharrt. Dann aber fanden die Männer in der Nähe des Lagers die Leiche des Mädchens. Sie begruben es im Walde.
Die Stelle an der sich das Schwedenlager befand und wo die Marodeure erschlagen wurden, heißt heute noch im Volksmund der „Todschlag“ oder „Mordfleck“. Das Jungferngrab liegt etwa drei Minuten südlich von dem Schmiedeberger Aussichtsturm der „Schönen Aussicht“
Das Zigeunergrab
Im Herbst des Jahres 1838 waren Vater und Sohn Brandt als
Fahrende mit ihrem Wagen auch einmal
nach Globig gekommen. Aus einem bis heute unbekannten Grunde kam es zu einem
Streit zwischen Ihnen, dabei erschlug der Sohn seinen Vater. Von der Scheune in
Globig schleppte er die Leiche des Vaters in seinen Wohnwagen bis in den
Buchenwald der Schmiedeberger Vorderheide, wo er sie abseits der Straße
verscharrte. Das geschah ein oder zwei Tage nach der Mordtat am 13. November
1838. Dann zog er mit seinem Wagen weiter. Etwa 4 Jahre später entdeckte im Juni 1842 der Jagdhund des
Stadtförsters den nicht tief in der Erde ruhenden Toten und scharrte ihn halb
frei. Auf gerichtliche Anordnung wurde der Leichnam von den Schmiederberger
Totengräber ausgehoben und als fahrender Puppenspieler Christian Joseph Brandt
aus Jessen identifiziert, der als verschollen galt. Der Tote wurde dann an
dasselbe Stelle wieder beigesetzt.. Darauf hin verhaftete das Gericht in
Eilenburg 1842 zwar den verdächtigen Sohn Joseph Brandt und verhandelte gegen
ihn, konnte ihm aber den Mord nicht nachweisen. Das Gewissen plagte aber den
jungen Mann, und man erzählte sich, dass er sich nach einigen Jahren erschossen
hat. Im dichten Wald zwischen dem Wurzelberg und der Straße nach
Söllichau, und etwa 700m westsüdlich vom Aussichtsturm liegt ein Grab mit der
Inschrift: „Hier ruht Herr Christian Brandt, Bürger und Künstler aus
Jessen, der den Tot fand zu Globig am 20. Juni 1840 durch seines Sohnes Hand“. Der da im Heidewald an der Sölichauer Chaussee unter hohen Buchen in seinem Grabe
ruht, war also kein „Zigeuner“. Er nannte sich selbst „Bürger und Künstler“. Er
war ein Puppenspieler, hatte eine Marionettenbühne und zog damit als fahrender
Schauspieler in seinem Wohnwagen von Dorf zu Dorf, baute seine Bühne im Gasthof
auf und zeigte gegen Entgelt seine Kunst. Alle die Fahrenden, die nach
Zigeunerweise durch die Lande zogen, Puppenspieler, Musiker, Scherenschleifer,
Schausteller und Gaukler waren aber für die sesshaften und braven Bürger „Zigeuner“.
So entstand im Volksmund die Bezeichnung
„ Zigeunergrab“. Das Schwedengrab Im Dreißigjährigen Krieg wurde bei Kämpfen in der Nähe des
Burstalles bei Seegrehna ein schwedischer Oberst so schwer verwundet, dass er
beim Abtransport schon nach wenigen hundert Metern starb. Auf seinen Wunsch wurde er dort begraben, wo
er verwundet worden war. Die schwedischen Soldaten pflanzten auf das Grab eine
Kastanie Noch heute ist auf dem Wiesengelände am Fuße des
Fliethkanaldeiches in der Nähe der Hochspannungsmasten die Grabstelle zu
finden. Ein Kastanienbaum, von einer verwilderten Hecke umgeben, steht auf der
Grabstelle.
Der Burgstall bei Seegrehna Der Burgstall bei Seegrehna, eine ehemals slawische, später dann deutsche
Burgwallanlage, bestand aus Haupt- und Vorburg von je etwa 6 ha Größe. Er liegt
1,5 Kilometer westlich von Seegrehna am Burgstallsee. Die Wallanlagen sind
inzwischen abgetragen und niedriger geworden. Die großen Flächen von Haupt- und
Vorburg werden heute landwirtschaftlich genutzt, mitten durch die Burg führt
ein Flutgraben. Über diese Stätte entstanden im Laufe der Jahrhunderte
mancherlei Sagen, die sich trotz der Veränderungen erhalten. Es wird erzählt, daß dort die wilde Jagd in dunklen Nächten über
die Burganlage gezogen sei. Die Alten wollen ein Toben. Peitschenknallen,
Schreien und Schießen gehört haben. Aber seitdem man in dem und um den Burgwall
den Wald gerodet habe, sei das wilde Heer nicht mehr gesehen worden. Manchmal
aber hat man noch einen Recken ohne Kopf, der auf einen Schimmel ritt,
beobachtet. Irrlichter erschienen nicht selten und lockten den, der ihnen
nachging, in Sumpf und Morast. An der Stelle soll später ein Schloss gestanden haben, das in die
Tiefe gesunken sei. Es hausten verwunschene Prinzessinnen darin. Des Nachts
will man oft das Schreien von kleinen Kindern gehört haben, das aus der Erde
drang. In der Tiefe sollen viel Geld und andere Schätze in einer riesigen
Braupfanne liegen. Man behauptet, wer mit einem schwarzen Ziegenbock, der kein
einziges weißes Haar haben darf, nachts um 12 Uhr zur Vollmondzeit dort
hinkommt, der den Schatz heben. Eine Herde Schweine, die an dieser Stelle gehütet werden sollte,
war trotz aller Mühe des Hirten nicht durch den Burggarten, so wurde die
Vorburg im Norden genannt, und das Tor bringen. Ein Mann, der einmal durch den
Burgstall gegangen war, irrte die ganze Nacht in den Wällen herum, ohne sich
herauszufinden. Eines Tages kam ein Bauer in den Burgstall und sah dort ein Feuer
brennen. Er ging furchtlos näher, bemerkte aber niemanden. Da ihm seine Pfeife
ausgegangen war, nahm er ein Stück glühende Holzkohle vom Feuer und legte es
auf die Pfeife zu Anzünden. Am nächsten Morgen fand er die Kohle in ein
Geldstück verwandelt. Ähnliches wird auch vom Schlossberg bei Gaditz erzählt, wo zum
Beispiel eine mit Gold gefüllte Braupfanne vergraben sein soll.
Quelle: Schriftreihe des Stadtgeschichtlichen Museums Wittenberg 1979